The Baseballs werden 2027 ein Problem haben: Wie sollen sie bei ihrem 20. Bandjubiläum toppen, was sie 2017 anstellten, zu ihrem 10. Geburtstag?

Doch der Reihe nach.

The Baseballs werden 10! Und es gibt reichlich Grund zu feiern, denn Sam, Digger und Basti blicken auf eine Erfolgsgeschichte zurück, die ihresgleichen sucht. Gleich mit ihrem ersten Album „Strike!“ (2009) eroberten sie nicht nur Deutschland, Österreich und die Schweiz, sondern belegten in mehreren europäischen Ländern Platz 1 der Charts, heimsten reihenweise Platin-Auszeichnungen ein und spielten ausverkaufte Tourneen. Es folgten prestigeträchtige Preise wie der EMMA Award, der European Border Breakers Award sowie gleich zweimal der ECHO und bis heute vier weitere Alben, auf denen The Baseballs sich populären Songs der Neuzeit widmeten und ihnen das Rock-and-Roll-Lebensgefühl der 50er- und 60er-Jahre verpassten – zuletzt „Hit Me Baby…“ (2016), das einmal mehr die Top 10 der Album-Charts in Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichte.

Seit jeher zeichnet es The Baseballs aus, viel mehr als „nur“ zu covern, vielmehr drücken sie bestehenden Songs ihren ganz eigenen Stempel auf und bringen so neue, überraschende Seiten zum Vorschein. Es dürfte daher kaum verwundern, dass der Band auch für ihr zehntes Jubiläum mehr als „nur“ ein klassisches Best-of-Album vorschwebte, für das die größten Hits auf einer Compilation zusammengestellt werden und fertig. Aber was dann? Es gab da diese Idee, ein bisschen verrückt, höchstwahrscheinlich komplett unrealistisch – und unglaublich verlockend. Sam berichtet: „2010 waren wir mal in Memphis und machten eine Führung durch das Sun Studio, in dem Elvis Presley, Johnny Cash, B.B. King und etliche weitere Legenden einst ihre ersten Hits einspielten. Wir dachten damals: Es wäre großartig, wenn man hier irgendwann mal ein Album aufnehmen könnte. Das war aber einfach nur so dahergeredet, keiner von uns hat geglaubt, dass es jemals passieren wird.“

Es ist passiert.

Denn nach zehn Jahren im Geschäft kennen auch The Baseballs die richtigen Leute – und so bestiegen sie Anfang Mai 2017 mitsamt ihrer Band den Flieger nach Memphis, Tennessee und fanden sich wenig später im Sun Studio wieder, diesmal nicht für eine Führung, sondern um ein Album aufzunehmen – ihr Best-of-Album. Wer die Band kennt, weiß, dass Sam, Digger und Basti einst aufgrund ihrer gemeinsamen Liebe für die Musik von Elvis Presley zusammenfanden. Nur logisch also, dass sie zu ihrem Bandjubiläum dem „King of Rock ’n’ Roll“ auf ihre ganz eigene Weise zu danken hatten. „Die Idee war: Wir nehmen unsere erfolgreichsten und beliebtesten Songs noch einmal neu auf – und zwar mit dem Original-Set-Up von Elvis“, erklärt Digger. Das bedeutete: Gitarre, Schlagzeug, Kontrabass – und kein Piano. Daher mussten einige Stücke komplett neu arrangiert werden. „Es war spannend, Songs, die wir teilweise seit 10 Jahren spielen, noch einmal komplett neu anzufassen“, fährt Digger fort. „Wo zuvor ein Klavier war, haben wir eine Akustikgitarre statt einer E-Gitarre benutzt oder beides, um so nah wie möglich an den Originalsound heranzukommen.“

Dabei spielte auch die ganz besondere Aura des Ortes eine tragende Rolle: „Wenn du in diesem Aufnahmeraum stehst, der wirklich winzig ist, machst du dir schon Gedanken, welche großartige Musik diese Wände schon alles gefiltert hat. Jetzt selbst ein bisschen was in diese Wände reinzujagen, das war schon ein besonderes Gefühl“, berichtet Sam. „Selbst auf der Toilette sitzt du respektvoll und denkst: Mensch, wer sich hier schon alles erleichtert hat! Diese Ehrfurcht ist schon in die Platte eingeflossen.“ Überhaupt: Ehrfurcht. Es gibt wohl kaum eine schönere Art und Weise, einem anderen Musiker Respekt zu zollen, als dass man seinen Song covert. The Baseballs haben diese Kunst über die Jahre perfektioniert – und sie führen sie auf „The Sun Sessions“ fort, denn neben den bekannten Hits der Band wie „Umbrella“, „Bleeding Love“ oder „…Baby One More Time“ hält das Album gleich vier neue Songs bereit: „Thinking Out Loud“ (Ed Sheeran), „Love On The Brain“ (Rihanna), „Love Yourself“ (Justin Bieber) und „Bad“ (Michael Jackson)

„Wir haben uns gesagt: Jetzt knöpfen wir uns mal den Bieber vor. Davon haben schon viele Männer geträumt“, lacht Basti. „Unsere Devise war immer: Wir nehmen Songs von großen Künstlern und interpretieren sie so, wie wir es gern hören würden. ‚Love Yourself’ ist dafür ein Paradebeispiel“. Das kann man so auch für „Thinking Out Loud“ stehen lassen – ein Song, an dem sich die Band zunächst kräftig die Zähne ausbiss. „Wir haben ewig herumprobiert, bis wir auf die Idee kamen, den Chorus wirklich mal komplett umzukippen“, berichtet Basti. Das Ergebnis ist ein Cover, das so weit vom Original ist wie noch kein Baseballs-Song zuvor. „Die Leute müssen den Song komplett hören, bis sie draufkommen, was es ist“, ist er sich sicher. Anders bei „Love On The Brain“: „Daran mussten wir nicht viel ändern. Scheint so, als hätte Rihanna dank unseres damaligen ‚Umbrella’-Covers die 50er-Jahre für sich entdeckt “, scherzt Digger. Abgerundet wird die Sammlung durch „Bad“, das live bereits während vergangener Touren zum Einsatz kam und nun erstmals aufgenommen wurde. 

Unter dem Strich steht ein Album, das den Sound von The Baseballs so nah, unmittelbar und authentisch erklingen lässt wie nie zuvor, durch das von der ersten bis zur letzten Note die Leidenschaft und Freude einer Band klingt, die sich damit einen großen Traum erfüllt hat. Bleibt die Frage: Was soll da noch kommen, Stichwort 2027? Keine Sorge, die Band hat da noch so einige Ideen. Diese zum Beispiel: „Wir haben am Anfang unserer Zeit mal gesagt: Unser Ziel ist es, auf allen Bühnen dieser Welt gespielt zu haben. Insofern haben wir noch ein bisschen was vor“, lacht Basti. Den Anfang machten The Baseballs bei ihrem jüngsten Aufenthalt in Memphis, wo man in einem lokalen Club spontan eine Show spielte – die erste überhaupt im Mutterland des Rock ’n’ Roll. „Wir hatten immer ein bisschen Angst davor, dass die Amis da ein wenig voreingenommen sind und sagen: Jetzt kommen die Deutschen und wollen uns zeigen, wie Rock ’n’ Roll funktioniert. Aber es war dann sehr schnell zu bemerken: Die Leute hatten richtig Bock auf diese Versionen.“

Quelle: Warner Music © Nico Cramer, 2017 – Foto credit: WME

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