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Death Cab for Cutie – Thank You for Today

Death Cab for Cutie - Foto: Eliot Lee Hazel

Auf Thank You for Today tun Death Cab for Cutie zweierlei: sie bauen ihren Sound aus und sie verfeinern ihn. Was beachtlich ist für eine Band, die bereits 20 Jahre auf der Uhr hat. Und doch finden sie immer neue Kurven in ihrer Handschrift, erkunden neue klangliche Ecken. Das neue Studioalbum der Band aus Seattle, aufgenommen Ende 2017 und Anfang 2018 in Los Angeles mit Produzent Rich Costey, steht in einer Reihe mit Klassikern aus dem Bandkatalog wie dem Debüt Something About Airplanes (1998) und Transatlanticism (2003) – eine mustergültige Sammlung von zehn Tracks, die abwechselnd wunderschön und dynamisch und düster-hymnisch und bittersüß sind.

„Mir wurde bereits früh im Prozess klar, dass ich ein Album schreiben wollte, das uns sehr realistisch abbildet“, sagt Sänger und Gitarrist Ben Gibbard. „Ich wollte tiefer ins Innere vordringen und etwas sehr Persönliches erschaffen“. In Songs wie den dynamischen „Gold Rush”, „Northern Lights” und „You Moved Away“ sinniert Gibbard über die Veränderungen, die sich in seiner Heimatstadt vollziehen, und webt durch das Album einen thematischen Faden über den Zusammenhang von Geografie und Erinnerung und darüber, wie schwer es sein kann, an Orten und auch Menschen festzuhalten.

Seit dem fünften Studioalbum Plans hat Gibbard die Praxis etabliert, sich nahezu täglich ins Studio zu begeben, um an Songs zu arbeiten – selbst dann, wenn die Ideen gerade nicht sprudeln. „Zuerst schmeiße ich einfach Sachen an die Wand, denke über eine Reihe unterschiedlicher Themen nach, versuche einfach mein Glück“, sagt er. Bevor er es sich versah, hatte Gibbard mehr als 30 Songideen beisammen, festgehalten in Demos, die er mit Bassist Nick Harmer, Drummer Jason McGerr, Gitarrist/Keyboarder Dave Depper und Keyboarder/Gitarrist Zac Rae sowie Costey teilte. „An einem Punkt hatte ich sogar so viel geschrieben, dass ich dachte, wir haben vielleicht zwei Alben“, sagt Gibbard. „Wir wollten jedoch, dass es so prägnant ist, dass man es komplett durchhören kann und gleich wieder von vorn beginnen will.“

„Am inspirierendsten an der Sache mit Ben und dem Schreiben ist für mich, dass er jeden Tag aufkreuzt und sich an die Arbeit macht“, sagt Harmer. „Dabei erlebt er entmutigende Tage und erbauliche Tage, doch seine Disziplin und Hingabe für sein Handwerk sind schlicht unglaublich“. In einem frühen Stadium zeichneten sich dabei einige Demos als Favoriten ab, berichtet Harmer. Der hypnagogische Album-Opener „I Dreamt We Spoke Again“ beispielsweise, mit seinem unauslöschlichen Refrain, einem eindringlichen Türglockenklingen und einer Gitarrenlinie, die Erinnerungen an die Music For The Masses -Ära von Depeche Mode wachruft, stach sofort als „einer dieser augenblicklich packenden Tracks“ heraus, wie Harmer es formuliert.

Und dann gab es da Songs wie „Gold Rush“, ein beinahe verworfenes Demo, hätte Costey Gibbard nicht dazu ermutigt, es sich noch einmal vorzunehmen. Der Song, aufgebaut um ein treibendes Sample von Yoko Onos epischem 1972er-Track „Mind Train”, wurde am Ende einer der aufregendsten des Albums – „ein Requiem für eine Skyline“ und auf eine Stadt, deren rasend schnelle Entwicklung zu einem von Kränen und Baugerüsten übersäten Himmel geführt hat. „Mir kam erst kürzlich die Erkenntnis, dass so viele meiner Erinnerungen an meine Geografie geknüpft sind“, sagt Gibbard über die Inspiration zu dem Song. „Und wenn sich diese Geografie verändert, ist es, als müsstest du dich nicht nur mit dem Vergehen der Zeit arrangieren, sondern würdest diese Leute und diese Zeit in deinem Leben noch einmal aufs Neue verlieren. Städte sind im steten Wandel und ich reklamiere in dieser Hinsicht keine Opferrolle, aber die Geschwindigkeit, in der sich Seattle verändert und farbige Menschen ebenso wie kreative Communitys an den Rand gedrückt werden, ist alarmierend.“

Auch „You Moved Away“ handelt von dieser Thematik, ein Song, in dem Gibbard seinen Freund, den Künstler Derek Erdman, adressiert, der Seattle unlängst den Rücken kehrte und zurück in seine Heimatstadt Chicago zog. „Er ist ein Provokationskünstler, der verspielte, absurde Kunst macht“, erklärt Gibbard. „Er repräsentierte eine Art ehrfurchtslose, sarkastische Seite von Seattle, die sich derzeit in rasender Geschwindigkeit auflöst, da die Stadt zu teuer wird. Auf meinem Weg zum Supermarkt bin ich stets an Dereks Apartment vorbeigelaufen, ich blickte zu seinem Fenster auf und sah all die Kunstwerke, die er gemacht hatte. Jetzt laufe ich an seinem Apartment vorbei und werde einfach nur traurig.“

Ein weiterer in vertrauten Gefilden verankerter Song ist „Northern Lights“, ein Highlight zum Ende des Albums, das sich auf Dye’s Inlet in Gibbards Heimatstadt bezieht, ein Meeresarm an der Kitsap Peninsula. „Ich wollte einen Song schreiben, der wie ein John-Hughes-Film ist und in meiner Heimatstadt spielt“, sagt er. „Über zwei Leute in dieser vorstädtischen Einöde, die nichts weiter zu tun haben und ihre Zeit auf diesem Gewässer verbringen, einander anschmachtend und doch beide wissend, dass dies nur ein Zwischenstopp in ihrem noch langen Leben ist.“

Obwohl Gibbards anfänglicher Kreativprozess in vielerlei Hinsicht dem vorangegangener Alben von Death Cab For Cutie glich, vollzog sich doch zu Beginn von Vorproduktion und Aufnahmen eine gewichtige Veränderung: die Erweiterung um die beiden Bandmitglieder Dave Depper und Zac Rae, die beide Gitarre und Tasteninstrumente spielen. Infolge des Weggangs von Gründungsmitglied Chris Walla 2014 hatten Death Cab for Cutie Depper und Rae zunächst als Tourmitglieder für die Konzerte zum Album Kintsugi (2015) verpflichtet. Nachdem man über anderthalb Jahre miteinander gespielt hatte, hatten Gibbard, Harmer und McGerr genug Vertrauen in Depper und Raes kreative Instinkte gewonnen, um sie auch für die Aufnahmen des neuen Albums einzuladen. Harmer sagt: „Die Freude und der Enthusiasmus, die Dave und Zac über ihre Mitwirkung an dem Prozess an den Tag legten, war unglaublich ansteckend. Es verlieh dem Ganzen eine Verspieltheit, die es uns ermöglichte, einige Risiken einzugehen – und zu lachen, falls es nicht funktionierte oder uns abzuklatschen, wenn doch. Es herrschte ein Gefühl von Ungezwungenheit, einfach miteinander zu spielen und sich von diesen Jungs zeigen zu lassen, wozu sie in der Lage waren, und ihnen Raum zur Entfaltung zu geben.“

„Wir lieben die Jungs nicht nur, sondern es fühlte sich obendrein an, als wäre es zu unserem Nutzen, das nächste Album mit ihnen anstatt einfach nur als dreiköpfige Band zu machen“, sagt Gibbard. „Dave und Zac bringen derartig unglaubliche Fertigkeiten mit in die Band, die wir noch nie hatten“. Er nennt beispielsweise die Bandbreite an Keyboards und Synthesizern, die Rae zu seiner Verfügung hatte, und nicht nur das – er spielte sie allesamt richtig gut, „kleine, feine Melodien ebenso wie große Sounds“, auf „Summer Years“ beispielsweise, von dem Gibbard sagt, Rae habe ihm eine Tiefe und Komplexität verliehen, die es ansonsten nicht besessen hätte. „Es gibt immer eine Grundnervosität, wenn du neue Leute in den kreativen Prozess reinbringst, besonders wenn du ein prägendes Mitglied der Band verloren hast“, sagt Gibbard. „Doch Dave und Zac waren Fans der Band, bevor sie ihre Mitglieder wurden, daher haben sie ihre ganz eigene Perspektive auf die Musik, die wir drei anderen nicht sehen können.“

Vergangenen Herbst verbrachten die fünf Mitglieder von Death Cab einige Wochen mit Rich Costey in dessen Studio in Santa Monica, wo sie die grundlegenden Tracks live aufnahmen und später mit weiteren Klangschichten ausarbeiteten. Als sie bei Costey ankamen, hatte dieser just die Arbeit mit einer anderen Band zu Ende gebracht und deren Angewohnheit übernommen, sich am Ende jeder Session mit den Worten ‚Thank you for today’ bei jedem der Musiker zu bedanken. „Wir begannen, es täglich zueinander zu sagen, unabhängig davon, was für eine Art von Tag wir hinter uns hatten“, berichtet Harmer. „Egal ob es ein frustrierender oder wirklich großartiger Tag war, wir schüttelten uns gegenseitig die Hände und sagten: ‚Thank you for today’. Im Laufe der Zeit begann es dann, uns wirklich etwas zu bedeuten. Weil es ein so merkwürdig anpassungsfähiges Statement ist, hat es fast etwas von einem Rorschach-Test. Und als wir uns alle Gedanken darüber machten, wie wir das Album nennen wollen, schien es schlicht perfekt zu passen.“
Quelle: WARNER MUSIC GROUP GERMANY

photo: Eliot Lee Hazel

 

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